TV-Computer aus altem Notebook bauen

  • Posted on: 3 July 2013
  • By: Don

Ehemals neue Computertechnik ist bereits nach wenigen Jahren völlig überholt. Für viele rechenintensive Anwendungen reicht dann meistens die Leistung nicht mehr aus; ja selbst wenige normale Anwendungen gleichzeitig können zur Qual für PC und User werden. Geht man nach dem mooreschen Gesetz, so verdoppelt sich die Komplexität integrierter Schaltkreise in regelmäßigen Abständen – etwa alle 12 oder 24 Monate. Hatte etwa ein im Jahre 2006 frisch auf dem Markt gelangter Intel Core 2 Duo knapp 300 Mio. Transistoren, sind es heute in der Oberklasse üblicherweise Intel Core i7 Quad-Core-Prozessorren der dritten Generation (Ivy Bridge) mit 1,5 Mrd. bis zu 2.3 Mrd. Transistoren. Was bleibt da anderes übrig als ein altes und stures Notebook aus dem Jahr 2008 falsch herum zuzuklappen? Aufschrauben und neues Leben einhauchen: Etwa als TV-Computer.

Im Normalfall sind vor allem kleine Boards wie Raspberry Pi, Arduino oder Udoo bei dem Bau eines TV-Computers dienlich. Die Umwandlung eines Notebooks hat aber gegenüber diesen den Vorteil, dass alle nötigen Komponenten vorhanden sind, wesentlich mehr Leistung besteht und alle Systeme, Anwendungen und Dateien der alten Festplatte mitgenommen werden können – wobei zu empfehlen ist, das System und die Anwendungen auf Multimedia (ggf. auch mittels Neuinstallation des OS) abzustimmen.

In diesem Fall war es ein – unsäglicher – Medion Akoya 96640 mit einem Intel Core 2 Duo Prozessor, 2 x 1,83 GHz, 3 GB RAM, nVidia GeForce 9300M G, 320 GB HDD; als 32-Bit-Betriebssysteme sind Microsoft Windows 7 und Linux Ubuntu 12.04 installiert – wobei das zuverlässigere und schnellere Betriebssystem Ubuntu den Vorzug verdient.

Für den Rechner selbst fallen keinerlei Kosten an, er wird aufgeschraubt und alle wichtigen Teile werden entnommen. Lediglich eine schnurlose Tastatur samt Maus muss eingekauft werden, um den Rechner dann auch bequem auf der Couch bedienen zu können (Kosten: ca. 15-20 EUR). Soll der TV-Computer auch noch harmonisch in die Nähe des Fernsehers eingegliedert werden, kann man sich etwa kostengünstig ein paar dünne Holzplatten im Baumarkt zusägen lassen und diese zu einem Holzgehäuse für die Hauptplatine verschrauben oder verkleben (Kosten: ca. 5-10 EUR). TV-Gerät und Computer sollten per HDMI-Kabel (Kosten: ca. 2-5 EUR) verbunden werden.

Hier wurde der neu geschaffene TV-Computer (HAL 1) in einem TV-Tower mit einem Samsung Full-HD-TV und Blu-ray-Player, sowie zwei externen Festplatten mit insgesamt 4 TB verbunden. Alle ehemaligen Komponenten und Anschlüsse des Notebooks wurden integriert, mit Ausnahme des DVD-Laufwerks. Auch die Webcam und das Mini-Mikrofon wurden verbaut, so dass man selbst von der Couch aus über Skype telefonieren kann.

Nach der Umwandlungen sind sogar Verbesserungen zu verzeichnen: Da das alte Notebook schnell überhitzte und einige Flächen deshalb kaum noch zu berühren waren, wurde das Gehäuse so konstruiert, dass die Platine von einer Luftperipherie umgeben ist und ein Luftaustausch stattfinden kann. Die Frischluft von unten wird vom Prozessor, der Grafikkarte und der Festplatte verheizt, kann wegen des ausreichenden Platzes aufsteigen, um sodann auf der Rückseite vom Lüfter abgeführt zu werden. Auf den Holzoberflächen ist daher kaum Wärme zu fühlen. Der Lüfter springt nun seltener an und der Computer läuft aufgrund der geringeren Hitzeentwicklung wesentlich flüssiger als zuvor.

Bequem ist vor allem das Streamen von Filmen, etwa über Hulu; auch Zeitungen und Magazine lassen sich gut lesen oder Mails checken. Selbst das kurze, aber schnelle Einschalten aus dem Standby, um Informationen einzuholen, ist sehr praktisch. Office-Arbeiten werden hingegen durch einen solchen TV-Computer auch nicht bequemer. Er schafft eindeutig eine multimediale Wohlfühlumgebung, aber keine Arbeitsumgebung. Daher gilt: Zurücklehnen und die neue Bequemlichkeit genießen.

 

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