Royale Hochzeit – Tag der Republik

  • Posted on: 1 May 2011
  • By: Don
Yellow Press Jack

Als am Freitag, den 29.04.2011 in nahezu allen Medien kaum etwas anderes zu sehen, zu hören und zu lesen war als überschwängliche Berichte über die Hochzeit von Kate Middleton und William Mountbatten-Windsor, sendete einzig der Fernsehsender Phoenix einen ganzen Tag lang monarchiekritische Dokumentationen. Die Alternative zur Hochzeit lief unter dem Thema „Tag der Republik“ bzw. „Es lebe die Republik! – Vom Niedergang der Weltmächte“.

Das wohl herrschende Thema anderer Sender und Medien schien – entsprechend der Haupthandlung eines Royals – „lächeln und winken“ zu sein. Wahrlich kein schwieriges Thema und keine schwere Aufgabe, etwas erfreut hinzunehmen und ein gleichsam erfreuliches „Feedback“ zu geben. Doch damit wohnt diesen Akten etwas inne, was bei allen Oberflächlichkeiten der Fall ist: Sie sind nicht substantiiert.

Es steht außer Frage, dass eine Hochzeit, also eine Feier, bei der im Idealfall ein Paar einen einzigartigen und lebenslangen Bund eingeht, einer allgemeinen Freude würdig ist. Bei einer royalen Hochzeit geht es aber auch um die Perpetuierung der Monarchie. Wer dies genauso mit einem einfachen, aber geistlosem Lächeln hinnimmt, verkennt, dass die Hōchzeiten vieler Monarchien berechtigt und begründet ein Ende gefunden haben und Monarchen und Aristokraten per Definition wenig von der Allgemeinheit halten – denn wenn der Adel dies täte, so würde er auf seinen prädestinierten Stand verzichten und sich auf einer Stufe mit der Allgemeinheit stellen, anstatt sich auf den Stammbaum und die Vorfahren zu berufen.

Wenn Medien also nur berichten ohne zu hinterfragen, verkennen sie durch ihr „Zurücklächeln und Zurückwinken“ die Bedeutung der Monarchie. Von Frauenzeitschriften und Pamphleten war nichts anderes zu erwarten, nicht jedoch von renommierten Nachrichtenmagazinen, wie z.B. Spiegel Online. Die Überschwänglichkeit ging sogar so weit, dass den Logos am Hochzeitstag durch Kronen eine royale Note, um nicht zu sagen ein „royaler Touch“, verliehen wurde.

Bunte.de   Bild.de   Spiegel Online

Bei allem Lob für Phoenix, aber der Sender revidierte seinen Standpunkt dadurch, dass er die Hochzeit „am Samstag, den 30.04.2011 für alle diejenigen, die am Freitag arbeiten mussten, zusammenfassend wiederholt[e]“. Zeitverschwendung. Die Klientel, auf die diese Hochzeit abzielte, guckt Phoenix in der Regel nicht oder muss in seiner Senderliste sehr lange danach suchen; diejenigen, die ansonsten Phoenix schauen, schalten weg.

Dennoch: Dass nur ein einziger, kleiner Spartensender kritisch über die Monarchie an diesem Tag berichtete, entspricht wohl auch den Verhältnissen in der Bevölkerung zwischen den für tolle Bilder Dankenden und den über den Sinngehalt der Monarchie Denkenden. Daher: Dem royalen Paar alles Gute, den Plebs viel Verstand!

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